Künstlergruppe Melpomene

Melpomene, die Muse der tragischen Dichtung, verbirgt hinter ihrer Maske einen Kreis von Künstlern, den das erzählerische Element ihrer Bilder schließt. Ausgemalt und festgeschrieben stehen die Szenerien aus tragischen Aufführungen in einer traditionellen Behutsamkeit der Wahrnehmung.

Ihre Bilder sind die Blicke vom Zeitstrom her auf die bunten Welten an den Ufern. In ihnen zieht die herrschende Widersprüchlichkeit hohnlachend oder stillbespiegelt vorüber.

Melpomene verbirgt hinter ihrem Antlitz eine melancholische Liebe zur Welt. Es fängt sich in ihrem Blick der einzige Gegenstand der Kunst: der Mensch. Der Mensch in seiner lächerlichen Verzweiflung, seiner omnipotenten Selbst-überschätzung, der Mensch in seiner einzigen Großartigkeit: der Liebe. Und die scheinbare Nähe der Bilder zu den Wirklichkeiten erlaubt ihnen einen scharfsichtigen Zugriff auf die Verwundungen und Verirrungen, auf denen die Realität ihre Herrschaft gründet.

So ist Melpomene augenscheinlich auf ewig falschem Kurs wie das Narrenschiff. Das aber mag sich erweisen als die letzte Rettungsinsel der Vernunft gegen den unerbittlichen Strom der Beliebigkeit.

Alfred Cordes